Überraschung beim Goncourt

Die Außenseiterin Lydie Salvayre gewinnt Frankreichs begehrtesten Literaturpreis.

Lydie Salvayre
Lydie Salvayre in 2010  (uzaigaijin)

Am heutigen Mittwoch hat Lydie Salvayre für ihren Roman „Pas pleurer“ (Nicht weinen) im Pariser Traditionsrestaurant „Drouant“, wo alljährlich die Jury tagt, den Prix Goncourt zugesprochen bekommen. Die Jury entschied sich im fünften Wahlgang überraschend mit sechs zu vier Stimmen für die sechsundsechzigjährige Autorin und Psychiaterin, die bereits gut zwanzig Romane geschrieben hat. Favorisiert waren ihre Konkurrenten Kamel Daoud mit dem an Albert Camus’ „Fremden“ inspirierten Roman „Meursault, Contre-enquête“ und David Foenkinos mit „Charlotte“, der Geschichte einer vor den Nazis nach Frankreich geflohenen und in Auschwitz ermordeten Deutschen.

In „Pas pleurer“ erzählt die Tochter iberischer Kriegsvertriebenen vom Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs im Sommer 1936 aus der Perspektive der damals fünfzehnjährigen Montse. Sie stützt sich dabei auf die Erinnerungen ihrer spanischen Mutter, welcher hauptsächlich der Enthusiasmus der Anfänge auf Seiten der Republikaner im Gedächtnis geblieben ist. Dieser Sicht sind im Roman die Erzählungen eines Zeitzeugen gegenübergestellt, die vor allem auf die Greuel des Krieges abheben: „Das Buch kann Fragen aufwerfen über den religiösen Fanatismus, das Wiedererstarken der Nationalismen, das manchmal ausbleibende Engagement Europas“, sagte Lydie Salvayre, nachdem sie die Nachricht von der Preisverleihung erhalten hatte.

Mit der Kriegsthematik standen Lydie Salvayre und ihr Mitkonkurrent David Foenkinos in der Tradition der Goncourtpreise. Tatsächlich bevorzugen die Jurys, in der Regel Schriftsteller und Kritiker, seit den Anfängen des Preises im Jahre 1903 Romane mit starkem Bezug zur Zeitgeschichte.

Weniger konventionell ist die Preisträgerin selbst: Lydie Salvayre ist erst die zwölfte Frau in der über hundertjährigen Geschichte des Goncourt. Die letzte war Marie N’Diaye im Jahre 2009. Solche Erwägungen haben allerdings wenig mit literarischer Qualität zu tun. „Es ist ein bewegender Roman, ein sehr origineller Stil“, sagte der Präsident der Jury, der Literaturkritiker Bernard Pivot, „auch wenn für meinen Geschmack zu viele spanische Wörter darin vorkommen“.

Der Goncourt-Preis ist mit ganzen zehn Euro dotiert, doch bringt er dem glücklichen Gewinner Auflagen von durchschnittlich 430.000 Exemplaren.

Die BerlinSurSeine-Redaktion

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