Gekommen, um für immer zu bleiben

Elisabeth Feldmeyer leitet mit Herz und Geschick den deutsch-französischen Kindergarten in Paris.

Kindergarten Mural / Recycled Art City
Der einzige deutsch-französische Kindergarten in Paris feiert in diesen Tagen seinen 40. Geburtstag (Geoffery Kehrig)

Wenn sie spricht, dann tut sie das meistens mit einem Lächeln auf den Lippen. Hinter den Brillengläsern leuchten ihre Augen und wenn man die Ohren spitzt, hört man sie leicht schwäbeln. Sie pendelt zwischen Morgenkreisen und Dienstbesprechungen hin und her und lässt sich besonders an arbeitsreichen Tagen ihre gute Laune nicht verderben.

Im Moment hält sie die 40-Jahr-Feier des deutsch-französischen Kindergartens, der 1974 von deutschen und französischen Eltern als Elterninitiative „Association des parents d’élèves de Jardins d’Enfants Franco-Allemands“, kurz AJEFA, gegründet wurde, auf Trab. Familien, Erzieher und Ehrengäste wie die deutsche Botschafterin in Paris, Susanne Wasum-Rainer, kommen an diesem Donnerstag im Rathaussaal des 20. Arrondissement zusammen.

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Vom Schnullerträger bis zum Vorschulkind: Elisabeth Feldmeyer geht auf jedes Kind individuell ein und begeistert nicht nur die Kleinen. (Anita Westrup)

Für Elisabeth Feldmeyer fühlt sich das Jubiläum wie der Geburtstag eines ihrer drei Kinder an. Seit mehr als 30 Jahren engagiert sich die gebürtige Aalerin für zweisprachige Erziehung und ist von Montag bis Freitag für deutsch-französische Pampersträger und Vorschulkinder im Einsatz. Dabei sah die Lage Anfang der 80er Jahre ganz anders aus.

Nach einer Interrail-Tour durch Frankreich und zweijähriger Sprachlehrtätigkeit im Burgund, stand für die ausgebildete Kindergärtnerin fest: ins Ländle geht sie nicht mehr zurück. In Paris heuerte sie 1981 im deutsch-französischen Kindergarten an, jedoch zunächst vergebens. Eine französische Familie, die auf die damals 24-Jährige Deutsche im Kindergarten aufmerksam wurde, bot ihr in einem Kaffeehaus in der Rue de Cherche-Midi eine Stelle an. Kellnern, kassieren, Kuchenteig kneten, Elisabeth Feldmeyer denkt schmunzelnd an die Zeit zurück: „Die deutschen Kuchen, die ich gebacken habe, waren der Renner.“ Ein Gast, ihr zukünftiger Mann, ließ sich die deutschen Leckereien besonders munden. Auf die Backstube folgte dann ein Bürojob als Sekretärin. Immer wieder probierte sie es beim deutsch-französischen Kindergarte, bis es 1983 endlich klappte. Ihr langer Atem wurde belohnt. Heute, 31 Jahre später, ist Elisabeth Feldmeyer als pädagogische Leiterin des Elternvereins und Direktorin aus dem einzigen deutsch-französischen Kindergarten in Paris nicht mehr wegzudenken.

In ihrer freien Zeit kocht sie am liebsten französisch und schmökert in deutschen Zeitungen. Am Wochenende lebt sie ihren grünen Daumen in ihrem Blumen- und Gemüsegarten aus. Nur im Sommer, zu Familienfesten und an Weihnachten zieht es die 57-Jährige mit ihrem französischen Mann nach Deutschland. „Jedes Mal wenn ich nach Paris zurückfahre, liebe ich den Moment, in dem der Zug in den Gare de l‘Est einfährt. Mich überkommt dabei immer so ein Gefühl von Heimat.“

Die französische Staatsbürgerschaft hat sie noch nicht beantragt. Ihr ganzes Herzblut fließt in den deutsch-französischen Kindergarten, der als Alternative zur klassischen, französischen Vorschulerziehung weniger reglementiert und verschult ist. Ein Modell, das ankommt. Die Kindergartenplätze sind genauso begehrt wie einst die Kuchen von Elisabeth Feldmeyer. Auf 30 Plätze kommen jährlich mehr als 100 Bewerber zwischen zwei und drei Jahren. Eltern melden ihre Kinder schon vor der Geburt an. „Auf der unmittelbar bevorstehenden 40-Jahr-Feier möchte ich Politiker und Medien auf die starke Nachfrage aufmerksam machen und mich dafür einsetzen, dass der Kindergarten mehr Unterstützung erhält.“, kündigt die Deutsch-Französin mit Vehemenz und einer flotten Handbewegung an. Bislang finanziert sich der Kindergarten hauptsächlich aus Elternbeiträgen.

Vor einiger Zeit hat sie ein Schreiben in ihrem Briefkasten gefunden, nicht etwa von einem Verehrer, sondern von der französischen Rentenkasse: „Die Behörden haben mir mitgeteilt, dass ich in drei Jahren 60 werde und dann in Rente gehen könnte. Wenn ich ehrlich bin, habe ich daran noch gar nicht gedacht.“, gesteht sie und fügt mit kräuselnden Lachfalten hinzu: „Für mich ist noch lange kein Ende in Sicht.“

Anita Westrup

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