Harmonie in den deutsch-französischen Beziehungen: Doch doch, es ist wohl Weihnachten !

„Das Bretonische ist nicht meine Muttersprache“, scherzt ein Chorsänger während einer Pause: Er hat gerade zwei Liedern in diesem alten französischen Dialekt gesungen. Am zweiten Adventssonntag wacht die Weihnachtsstimmung in der Pariser deutschen evangelischen Kirche auf. Der deutsch-französische Chor feiert unter einem riesigen hängenden Adventskranz die jahrhundertlangen Weihnachtstraditionen.

Pariser deutsch-französischer Chor/ Choeur franco-allemand de Paris
Weihnachtsstimmung mit dem Pariser deutsch-französischen Chor (Juliette Gramaglia)

Lieder aus französischen Regionen wie der Bretagne oder der Normandie, Advents- und Weihnachtslieder aus deutschen Ländern, Christmas carols aus England, ein Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy… Das Konzert mischt klassische Musik und Lieder aus volkstümlichen Milieus. Auffallend ist die zentrale Stelle der Religion in beiden Arten von Musik: An Weihnachten ging es immer um die Geburt Christi, sei es in der Kirchen oder in der Familie. Der deutsch-französische Chor bringt diese beiden Seiten von Weihnachten in einem fast zweistündigen Konzert mit Erfolg zusammen.

Vierzig Jahre deutsch-französische Nachbarschaft

Der 1971 von Bernard Lallement in Paris gegründete deutsch-französische Chor verteidigt seit mehr als vierzig Jahre die Wiederversöhnung mit dem deutschen Nachbarn durch bilaterale kulturelle Austausche. Seit 2011 wird er von Thomas Carré geleitet. „Der Chor hat mir erlaubt, zwei meiner Leidenschaften zu verbinden: den Chorgesang und mein Interesse an dem deutsch-französischen Milieu“, erklärt er. Thomas Carré war seit 2000 Chormitglied, seine Leidenschaft für die deutsch-französische Freundschaft stammt schon aus seinem Kindheit. Er erzählt, seine Urgroßvater und Großvater seien während der zwei Weltkriege Blind geworden. Nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg hatten sie Kontakt mit deutschen Kriegsblinden aufgenommen. „Sich für die deutsche Kultur zu sensibilisieren schien mir vom Anfang an eine Notwendigkeit, um sich den anderen zu öffnen“, betont er.
Heute gehört der Chor zum Verband der deutsch-französischen Chöre in Deutschland und Frankreich. Als Chorleiter verteidigt Thomas Carré die Städtepartnerschaft zwischen den Chören und organisiert jährliche Reisen nach Deutschland. Der Chor ist sehr aktiv und Konzerte wie dieses für Weihnachten sind nicht selten.

Pariser deutsch-französischer Chor/ Choeur franco-allemand de Paris (2)
Die Kirche wartet auf den Chor (Juliette Gramaglia)

Die Freude des Singens

Die wunderschöne Akustik der für Weihnachten mit Adventskränzen und Tannenzweigen ausgestatteten Kirche lässt die Lieder klingen wie sonst nie. Die Chorsänger, schwarz gekleidet mit bunten Schalen um den Hals, folgen mit einem ernsten Antlitz der mit klaren Gesten gegebenen Leitung des Chorleiters. Dann plötzlich sieht man Lächeln aus echtem Vergnügen auf ihren Gesichtern. Die Chorsänger haben Spaß beim Singen. Und warum auch nicht? Lieder wie „der Heilige Josef schrubbt“ sollte man mit einem Lachen in der Stimme singen.
Lächelnd sind die Chorsänger, aber immer konzentriert. Der Stress ist spürbar. Der Chorgründer Bernard Lallement ist ja anwesend, und die Spannung erreicht ihre Höhepunkt als die Chorsänger die von Lallement harmonisierten, das heißt mit mehr Stimmen als in der Tradition gesungen, Weihnachtslieder aus Frankreich singen. Zum Glück machen sie keinen Fehler: Der achtundsiebzigjährige Ehrenchorleiter sieht sehr zufrieden aus.

Ein Qualitätschor

Es sind achtundvierzig Chorsänger, darunter fast zehn Männer, was für einen Chor eher ungewöhnlich ist. Meistens haben Chöre eine überwiegende Mehrheit von Frauen, und nur vier oder fünf männliche Stimmen. Da in diesem Fall so viele Männer singen, gewinnt der Konzert noch an Volumen: Mehr Stimmen bedeuten mehr Vielfalt beim Singen.
Einige Mitglieder sind um die vierzig Jahre. Es ist auch nicht so gewöhnlich, denn Chorsänger sind oft Rentner. Manche sind es auch, und einige gehören zum Chor fast vom Anfang an. Wie diese Deutsche, die seit 1976 im Chor singt. „Damals war es eine ganz andere Stimmung“, erinnert sie sich, „aber heute ist es auch sehr schön“. Denn der Chor hat sowohl deutsche als auch französische Mitglieder. Diese sind deutschfreundlich, manche sprechen sogar deutsch. „Menschen kommen, um speziell in einem deutsch-französischen Milieu zu singen“, teilt Thomas Carré mit.
Man tritt in den Chor nicht einfach so ein. Bewerber müssen das Vorsingen bestehen. „Ich lege Wert darauf, dass wir, obwohl wir Amateure sind, Qualitätsmusik anbieten“, erklärt der Chorleiter. Und tatsächlich klingen die Sänger sehr beruflich. Mehrere Solisten tauchen auf während der Lieder, und der Chor hat sogar ein Quartett: Zwei Frauen und zwei Männer, darunter Thomas Carré, die eine echt beeindruckende Leistung liefern.
Lobenswert ist auch Bruno Gousset, der Klavierspieler. Anders als in manchen Chören ist er nicht nur da, um eine Hintergrundmusik, eine einfache musikalische Begleitung zu verfügen. Er hat einen echten Platz für sich in der Musik, und zeigt auch eine beeindruckende Technik. „Der Klavierspieler ist ja begabt!“ wundern sich mehrere Menschen im Publikum.

Eine familiäre Stimmung

Die Stimmung ist gemütclih in der Kirche. Freunde und Familie der Chormitglieder sind gekommen, um den Konzert zu genießen. „Es ist schöner und hörbarer als in der vorherigen Kirche“, bemerkt eine Frau im Publikum zwischen zwei Liedern. Ihre Nachbarin nickt. Trotz der Resonanz bleibt der Text tatsächlich verständlich… obwohl der bretonische Dialekt vielen unbekannt ist. Zum Glück sind die meisten Lieder im Hochdeutschen, Englischen oder Französischen geschrieben worden.
Dieser Chor ist nicht nur eine Gruppe von Musikliebhabern. Auch wenn man die Mitglieder nicht kennt, sieht man das gleich. Diese Menschen haben sich durch ihre Leidenschaft für die Musik getroffen, es ist aber mehr als die Musik, die sie verbindet. Mehrere Jahre von Proben, Konzerten und Reisen zu anderen deutsch-französischen Chören haben ein Gruppengefühl geschaffen, das man als Publikum gut spürt. Es ist auch dieses Gefühl von Gemeinschaft, das die Stärke und die Schönheit des Konzerts macht. Und dieser Eindruck passt gut zur Weihnachtsstimmung.

Weihnachten bei der Tür

Ja, so sollten eigentlich Weihnachtslieder klingen. Sie erinnern an die Weihnachtskrippe, an die gleich aus dem Backofen ausgeholten Weihnachtskuchen und an das feierliche Mahl. Und da Weihnachten immer ein Fest des Miteinanderseins gewesen ist, lädt Thomas Carré am Ende das Publikum ein, mitzusingen. Auf deutsch, englisch und französisch hallt in der kleinen Kirche das weltweit bekannte Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Chor und Publikum einigen sich in einem Moment außerhalb des Alltags. Und plötzlich steht Weihnachten an der Türschwelle.

Mehr Infos über den Pariser deutsch-französischen Chor und seine nächsten Veranstaltungen!

Juliette Gramaglia

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