Raumverschmutzung

Der Hund gilt als der beste Freund des Menschen. Wenn es jedoch um seine Darmausscheidungen geht, hört bei Vielen die Liebe zum haarigen Hausgefährten auf. Hundehaufen auf Bürgersteigen nerven nicht nur Anwohner.

Shit Happens
Wer in einen Haufen latscht, wird seines Tages nicht mehr froh. (Timo Heuer)

Codewort Kot. Wenn Frau Schulze mit ihrem elf Jahre alten Rauhaardackel „Attila“ um die Häuser zieht und dabei durch Hamburgs Parkanlagen und Vorgärten streift, ist Vorsicht geboten. Der zottelige Vierbeiner verrichtet seine Notdurft ganz nach seinem eigenen Gusto. Und da liegt der braune, noch dampfende, leicht asymmetrische Haufen, irgendwo zwischen Straßenlaterne und Parkuhr. Landesweit echauffiert das Hundemüsli auf Gehwegen und in Parks so manches Gemüt. Hundekotsünderin Schulze kümmert das nicht. Das wischt der Regen doch wieder weg. Oder auch nicht. Die kleine, harmlose Wurst gilt als urbaner Stressfaktor im öffentlichen Raum. Das mühsame Herauspuhlen aus den Profilrillen der Schuhe kostet nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Wie viele Romanzen wurden wohl schon durch übel riechendes Schuhwerk und Schamröte im Keim erstickt?

Der Rattenschwanz ist lang und trifft jeden einmal im Leben. Wien setzt daher auf die Sackerlmethode. „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl!“ Doch so einfach ist das nicht. Das Entsorgen von Hundekot mittels Plastiksackerl stellt sowohl für den österreichischen als auch deutschen Homo sapiens noch keine alltägliche Kulturtechnik dar. Kottüten werden zweckentfremdet und zu Leckerlibeutel umfunktioniert. Haufenweise Probleme und wenn Pfiffi auch noch Diarrhö hat, löst sich die Plastiktüte in Kontakt mit dem Fäkalgemisch in Luft auf. Shit happens. Fünf Millionen Hunde leben in deutschen Haushalten. Genauso viele Menschen leben in der Stadt Mossul, die die Terrorgruppe Islamischer Staat seit Sommer zu ihrer Hauptstadt erklärt hat. Tretminen sind hier kein jugendsprachlicher Gag und auch kein Hundekot, sondern bitterer Alltag. Bilder von Zivilisten und Offizieren mit zertrümmerten Beinen flimmern über die Mattscheiben. Der Kleinkrieg um Hundehaufen auf unseren Trottoirs relativiert sich dann ganz schnell.

Wenn man mal ehrlich ist, sind es nicht die Hinterlassenschaften von unseren haarigen Familienmitgliedern, Joggingpartnern und Seelentröstern, die zur Verschmutzung des öffentlichen Raumes führen, sondern viel mehr jener Kampfhund, namens Lutz Bachmann, der die islamfeindliche und Ressentiments schürende Pegida-Bewegung ins Leben gerufen hat. Maulkorbzwang und Anleinpflicht für Rechtspopulismus. Das meint auch Frau Schulze, deren Dackel weiterhin Deutschlands Bürgersteige verschönert. Trotzdem ein Rat: Sei kein Schwein, pack’s Häufchen ein.

Anita Westrup

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