Haile Gebreselassie – « Für mich hört das Rennen nie auf ! »

Der vierfache Weltmeister und vierfache Sieger des anspruchsvollen Berlin-Marathons Haile Gebreselassie äußert sich mit 41 Jahren über seine Karriere und über den jungen Nachwuchs in seinem Land Äthiopien.


Selin Verger – Sie haben schon so vieles erreicht: 27 Weltrekorde, zwei Mal Gold bei den olympischen Spiele und vier Mal bei den Weltmeisterschaften. Wie schaffen Sie es, nach all den Jahren noch motiviert zu bleiben?


Haile Gebreselassie – Das ist sehr vom Sportler abhängig. Manche hören auf, nachdem sie eine olympische Medaille gewonnen haben. In meinem Fall habe ich den Eindruck, nicht alles erreicht zu haben. Mir gefällt es, mich immer wieder zu übertreffen, immer wieder neue Ziele zu erreichen, an neuen Wettkämpfen teilzunehmen. Für mich hört das Rennen nie auf.


SV – Und was motiviert Sie am meisten ?


HGS – Was mich besonders motiviert ist es zu gewinnen. Stellen Sie sich vor, wie toll es ist, als Erster das Rennen zu beenden. Man kann, wann auch immer, rennen. Aber um zu gewinnen, muss man sich besonders anstrengen, man muss schwitzen. Und ich bin hungrig nach mehr Siegen.

SV – Gibt es seit Ihren Anfängen Veränderungen in der Wettkampfszene?


HGS – Es hat viele Veränderungen gegeben. Die junge Generation ist gebildeter, technischer, disziplinierter. Es ist wirklich unglaublich. Aber von meinem Standpunkt aus scheint es heutzutage einfacher zu sein als zu meinen Anfängen. Die Konkurrenz zwischen den Sportler ist vielleicht intensiver. Es gibt tausende von Äthiopiern, die rennen, und es ist nicht einfach. Aber der Weg, die Möglichkeiten, sich eine gewisse Professionalität anzueignen, sind einfacher als früher geworden. Es gibt mehr Sponsoren und mehr Zusammenarbeit mit Europa.


SV – In Äthiopien sieht man viele junge Amateursportler, die unter sehr schlechten Bedingungen trainieren. Sind diese bereit, Opfer zu erbringen, um Berufssportler zu werden?


HGS – Ehrlich gesagt ist Rennen ein Mittel, um aus der Armut heraus zu kommen. Es ist sehr schwer, gute Sportler aus reichen Familien zu finden. Es gibt wirklich sehr wenige davon, vielleicht einen oder zwei hier. Die meisten kommen aus einem unterprivilegierten Milieu. Die junge Generation sollte aber nicht des Geldes wegen rennen, sondern aus Leidenschaft. Wenn man für Geld rennt, verliert man beides: das Geld und das Rennen. Wenn man sich aber auf das Rennen konzentriert, kann man beides bekommen. Wenn sie trainieren, denken Sportler häufig an
die Möglichkeiten, wie sie damit ihren Lebensunterhalt verdienen können. Das Rennen öffnet ihnen andere Türen.
Armut ist kein Schicksal. Niemand wurde mit Geld geboren. Wir fangen alle bei Null an. Ich zum Beispiel leite heute neben dem Rennen noch ein Unternehmen. Das ist einer der Gründe, weshalb ich jeden Morgen und jeden Nachmittag renne, weil ich dann konzentrierter im Büro arbeite.


SV – Welche Ratschläge würden Sie diesen jungen Sportlern geben, die davon träumen, ihren Sport zum Beruf zu machen?


HGS – Was ich sagen möchte, bezieht sich auf alle, nicht nur auf Sportler, sondern es gilt für all diejenigen, die sich Ziele gesetzt haben. Erstens muss man diszipliniert sein. Dann muss man Engagement besitzen, das heißt man muss seinen Erfolg planen, und anschließend eifrig für dieses Ziel arbeiten. Diese drei Faktoren gehen unvermeidlich Hand in Hand. Ohne Disziplin gibt es kein Engagement. Und wie kann man ohne eifrige Arbeit gute Ergebnisse erzielen? Aber als erstes kommt die Disziplin. Viele junge Athleten bleiben nur bei ihrem Traum, Weltmeister zu werden. Die sagen nur « ich will den Weltrekord brechen! ». Und was ist dann mit der Disziplin und der harten Arbeit? Aber um seine Träume zu verwirklichen, muss man hart trainieren.

Zur Video: https://www.youtube.com/watch?v=ORa9XPHhmBQ

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