Familiensynode: knapper Sieg für Papst Franziskus

Im Vatikan einigen sich die Bischöfe auf einen Kompromiss

Nach drei Wochen heikler Diskussionen im Vatikan haben sich die Teilnehmer der Synode am 25. Oktober für eine stärkere Integration wiederverheirateter Geschiedener in die Kirche ausgesprochen. Bringt diese Entscheidung aber wirklich frischen Wind in den Vatikan?

Familiensynode: knapper Sieg für Papst Franziskus

Bildquelle: zeit.de

Mit der knappen Mehrheit von einer Stimme des verlangten Zwei-Drittel-Quorums wurde das Abschlussdokument angenommen. 178 Bischöfe haben sich tatsächlich für den Text ausgesprochen, gegen  80 Nein-Stimmen und 7 Enthaltungen. Letztes Jahr wurde der Vorschlag bei der ersten Session der Familiensynode abgelehnt. Für Papst Franziskus und seine Befürworter könnte dieser Kompromiss daher den Anfang eines Reformprozesses symbolisieren. Die Öffnung der Kirche bleibt aber vorsichtig. Die Anträge von Wiederverheirateten, wieder zur Kommunion gehen zu dürfen, werden nur im Einzelfall geprüft. Auf keinen Fall handele es sich hier um ein Hinterfragen der Unauflösbarkeit der Ehe, stellte der Papst klar.

Alte Lehre versus moderne Realität

Neben der Frage der Geschiedenen standen andere Kernpunkte auf der Tagesordnung: das Zusammenleben vor einer Eheschließung, die Antibabypille, Homosexualität und die Adoption für gleichgeschlechtliche Paare. Diskussionen, die umso relevanter sind, wenn man die Scheidungsraten und Entwicklung neuer Lebensformen betrachtet. Viele Gläubige haben die Synode, die im Oktober 2013 von Franziskus angekündigt wurde, unterstützt. Sie betrauern eine Diskrepanz zwischen der katholischen Kirche und den neuen Lebensweisen der modernen Gesellschaft. Eine Realität, die der Papst selbst zum Abschluss der Synode betonte: „Wir sind fähig, Weltanschauungen zu konstruieren, akzeptieren aber nicht, was der Herr uns vor Augen führt. Ein Glaube, der sich nicht im Leben der Menschen zu verwurzeln weiß, bleibt trocken, und anstatt Oasen zu schaffen, verursacht er weitere Wüsten“.

Meinungsverschiedenheiten kultureller Art

Die Erklärung des Papstes fand jedoch keine allgemeine Zustimmung unter den Bischöfen. Die Entwicklung des traditionellen Familienmodells hat nicht überall auf der Welt die gleiche Resonanz. Besonders im südlichen Teil der Erde, wo die Homosexualität manchmal noch strafbar ist, werden diese Fragen als Probleme westlicher Länder betrachtet. Zu den konservativsten zählen vor allem afrikanische und osteuropäische Bischöfe. Im Gegensatz dazu, gibt es andere Regionen der Welt, wo diese Probleme nicht existieren. Bischof Miguel Ángel Cabello Almada erzählte Radio Vatikan von den wiederverheirateten Geschiedenen in Paragay: „Wir stellen uns gar nicht so viele Fragen, denn sie sind ein Teil der Kirche. Wie die ohne Trauschein Zusammenlebenden, wie die vielen Alleinerziehenden. Manchmal gehören sie sogar zu den Aktivsten in der christlichen Gemeinde“. Schwierig ist es also, generelle Lösungen zu finden.

Eine „theologische Schlacht“

Die Spannungen spiegelten sich auch in der Opposition zwischen Dogmatikern und Reformern wider. Die einen, unter der Führung des deutschen Kardinals Gerhard Ludwig Müller, fordern eine strikte Anwendung der biblischen Lehre. Die anderen, vor allem Kardinal Walter Kasper, Reinhard Marx und der Österreicher Christoph Schönborn, befürworten einen „Weg der Barmherzigkeit“. Diese zwei antagonistischen Visionen werden von dem ehemaligen Papst Benedikt XVI und dem heutigen Papst Franziskus verkörpert. Kurienkardinal George Pell erklärte in einem Interview mit der französischen Zeitung „Le Figaro“: „Wir sind Zeugen der dritten symbolischen theologischen Schlacht“.

Eine gemischte Bilanz

So weit kam es bei dem Treffen im Vatikan aber nicht. Auch wenn die Ausrichtung der Kirche jetzt zwar offener ist, werden noch keine konkreten Maßnahmen getroffen. Die umstrittensten Themen, vor allem im Bereich Homosexualität, wurden bei der Synode vermieden. Kurz nach dem Coming-out des polnischen Priester Krysztof Olaf Charamsa Anfang Oktober, das viel Aufmerksamkeit und auch Hoffnung für die homosexuelle Gemeinschaft hervorrief, war die Enttäuschung groß. Siege im Vatikan erringen sich mit kleinen Schritten.

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