Etel Adnans Ausstellung in Paris: farbige Poesie

 

Etel Adnan, Sarjoun Boulos, L'Arche de Noé, 2012
Etel Adnan, Sarjoun Boulos-L’Arche de Noé, 2012

 

Das Institut der arabischen Welt (Paris) zeigt bis zum 1. Januar 2017  Werke der amerikanisch-libanesischen Künstlerin Etel Adnan, die auch eine Persönlichkeit des Feminismus und der Friedensbewegung der 70er Jahre ist.

Besonders erstaunlich ist, wie ausdrucksvoll Etel Adnans farbigen Gemälde sind. Die Schriftstellerin macht seit 50 Jahren Kunst und auch ihre ältesten Arbeiten, die sie damals in Kalifornien gemalt hat, sind so: bunt und poetisch. Bis 2012 wurde mit ihrem Namen vor allem der Name eine Dichterin, die 1925 in Beirut geboren  wurde, verbunden. Wie sie über sich selbst sagt, kommt Etel Adnan aus der Literatur und insbesondere aus dem Bereich der Philosophie und Poesie. Allerdings  malt sie auch. Und dass sie seit Jahren Künstlerin war, konnte das Publikum auf der Dokumenta 13 in Kassel erfahren. Die Ausstellungen haben sich im Anschluss dann vervielfacht: 2015 wurde Etel Adnan zur Istanbul Biennale eingeladen, letzten Sommer waren ihre Arbeiten  in der Serpentine Gallery in London zu sehen. Seit dem 18. Oktober sind ihre Werke nun  im Institut der arabischen Welt (Institut du Monde Arabe) in Paris ausgestellt. Die Ausstellung baut  auf 4 Grundtendenzen auf: die Arabische Apokalypse – Tapuscrit, der Mount Tamalpais, Brücken – Exile und  zu letzt: Eine Welt von Farben und Tönen.

Das erste Thema der Ausstellung führt in einen von Adnans wichtigsten Text, Die Arabische Apokalypse (1980), ein. Dieser Text betont die Wichtigkeit des Schreibens und das politische Engagement in ihrem Werk. In ihrem Buch schreibt Etel Adnan über eine gewalttätige Sonne, die Mond und Erde unterwirft. Das Thema, das sie benutzt, erzählt auch von ihrer Geschichte. Ein Thema, das die Realität der französischen Herrschaft im Libanon ein bisschen beschönigt. Sie stellt hier die Frage nach kulturellen Identitäten und Hybridität zwischen  Politik,  Geographie, Kolonialisierung und Imperialismus in der „Heimat“. Die Textverbreitung auf Französisch, Englisch und Arabisch taucht das Publikum in eine klangvolle und mehrsprachige Stimmung.

Dann ist der Abschnitt Mount Tamalpaïs zu sehen, der Etel Adnans Verbindungen mit Amerikas Westküste und besonders San Francisco deutlich herausstellt. Die Künstlerin hat dort mehr als 50 Jahre gelebt und  entdeckt, dass sie, wie sie es sagt, „malen konnte“. Dieser Abschnitt zeigt die Wichtigkeit ihrer malerischen Arbeit zwischen Figürlichkeit und Abstraktion: dort sind viele farbige Gemälde zu sehen, die meistens kleinformatig sind.  Aber es gibt auch andere Werke, so hat sie ihr schriftliches Werk Reise zum Mount Tamalpaïs ins Arabische übersetzt und auf ein Leporello (ein Ziehharmonika-Buch) übertragen. Die Zeichnungen, Gemälde und Leporellos machen die sehr enge Beziehung Adnans zudiesem Berg deutlich. Sie bezeichnet den Mount Tamalpaïs (Kalifornien) als ihre „Montagne Sainte-Victoire“ und wandelt damit auf Paul Cézannes Spuren.

Etel Adnan ist während ihres Leben viel gereist und hat sich nie, weder in irgendwelchen Ländern oder Wohnungen, „zu Hause“ gefühlt. Der Abschnitt Brücken – Exile erklärt ihre Beziehungen zu den Städten in denen sie gelebt hat. Dort sind Leporellos, die Paris, Beirut oder New York darstellen ausgestellt .

Am häufigsten malt Adnan auf kleinen Formaten und versucht „Malerei wie Poesie“ darzustellen. Im Institut der arabischen Welt sieht man allerdings auch einige von ihre „größeren“ Formaten. Diese Gemälde auf Leinwand befinden sich  gegenüber einer riesigen bunte Tapeten. Diese Tapete gehört zu Etel Adnans vierte Grundtendenz Eine Welt von Farben und Tönen.

Etel Adnans Werk hat mannigfaltige „doppelte Identitäten“: eine schriftliche und malerische Identität, eine arabische und lateinische Schreibweise, Wörter mit weitreichender Bedeutung und Wörter, die nur als Verziehrung dienen und noch dazu arabische und westliche Einflüsse. Etel Adnans Werk ist so facettenreich wie sie selbst. Es scheint, dass sie undefinierbar ist und, dass sie die Grenzen der Sprache überschritten hat. Sie selbst sagt, dass es eine Dualität zwischen ihrem Leben und ihren Gedanken gibt und  behauptet noch dazu, dass sie eine „Sache und ihr Gegenteil“ ist und dies, unendlich.

Marine Vazzoler

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