Von der Lokalzeitung in Wolfenbüttel zum Diner bei Sarkozy – Das Korrespondentenleben des Lutz Krusche

Foto privat
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Am 15. November war der langjährige Spiegel-Korrespondent Lutz Krusche bei uns zu Gast an der Universität. Er erzählte von seinen journalistischen Anfängen in der deutschen Provinz und seiner Tätigkeit als Korrespondent in London, Washington und Paris.

„Besorgen Sie mir mal ein Interview mit dem Alten?“ Diese Frage an Adenauers Sekretärin bescherte dem jungen Journalisten Lutz Krusche einen Glücksfall, den er selbst kaum glauben konnte. So kam er zu einem sensationellen Interview mit dem erzkatholischen Konrad Adenauer für die damals linksliberale Frankfurter Rundschau. Lutz Krusche kam sich gegenüber dem 1,90 m großen Adenauer ganz klein vor und konnte sich der Ausstrahlung des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschlands nicht entziehen. „Man begegnet der Geschichte“, reflektiert der mit dem Theodor-Wolff-Preis und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Journalist.

Eine Journalistenschule hat der heute 78-Jährige gebürtige Schlesier nie besucht, denn das gab es damals gar nicht. Als Schüler berichtete er für eine Lokalzeitung in Wolfenbüttel von Schwimm- und Skimeisterschaften. Der Lokaljournalismus erwies sich als gute Schule, es folgte eine Anstellung bei einer Regionalzeitung in Braunschweig und schließlich eine Stelle in der damaligen Hauptstadt Bonn. Als der Bundestagskorrespondent plötzlich krank wurde, wurde Lutz Krusche der Job angeboten. Und nach einer angstvoll durchwachten Nacht machte er sich an die Arbeit. Sein Erfolgsmotto? „Fragen, fragen, fragen!“ Und immer den persönlichen Kontakt suchen, denn die Leute freuen sich, wenn man sich für sie interessiert.

Als „katastrophal“ beurteilt er das Verhalten der Presse im amerikanischen Wahlkampf. Ein Journalist ist in erster Linie ein „Berichterstatter“ und soll sich nicht zu einem „Propheten“ aufschwingen. Wenn sich ein ZDF-Reporter zwei Tage vor der Wahl zur Aussage „Ich kann Ihnen versichern, Trump wird nicht Präsident“ hinreißen lässt, dann erklärt das seiner Meinung nach auch das gesunkene Ansehen der Presse. Überhaupt bedauert der Grauhaarige mit dem wachen Blick die zunehmende Nähe zwischen Politikern und Journalisten. Als er mit seiner Frau, der französischen Journalistin Mémona Hintermann, beim damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zum Diner eingeladen war, ignorierte er das einschmeichelnd angebotene „Nicolas“ und blieb beim förmlich distanzierten „Monsieur le Président“.

Seit insgesamt über zwanzig Jahren lebt der Deutsche nun schon in Paris. Als Korrespondent für den Spiegel berichtete er auch aus London und Washington. Wenn er von Reisen erzählt, bei denen er als Journalist die englische Königin und die französischen Staatsmänner Giscard und Chirac begleitete, dann klingt auch die goldene Zeit des Journalismus an. „Um guten, unabhängigen Journalismus zu machen, muss man die Mittel haben“, resümiert er wissend. Und obwohl die Presse seit Jahren in der Krise steckt, prophezeit der Optimist allen angehenden Journalisten einen Job mit Zukunft, denn „intelligente Texte werden immer gebraucht“. Einer der sein Leben lang ein Zeitungsmann war, muss es schließlich wissen.

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